Spezi: Das Kultgetränk erklärt
Wie ein bayerischer Biergarten-Export zur ganzen Getränkeklasse wurde: Herkunft seit 1956, Markenstreit, Zutaten im Detail und die Zahlen hinter dem Cola-Mix.
Spezi ist ein Mischgetränk aus Cola und Orangenlimonade – und der seltenste Fall in der Getränkewelt: ein Name, der einer einzelnen Brauerei gehört, aber von fast allen als Gattungsbegriff verwendet wird. Bestellt man in einem bayerischen Biergarten „eine Spezi", bekommt man in der Regel genau das erwartete Produkt; bestellt man ihn in Hamburg, bekommt man vielleicht Mezzo Mix. Beides ist richtig – und der Grund dafür liegt in einer jahrzehntelangen Rechtsgeschichte.
Herkunft: Von Riegele bis Paulaner
Die Marke „Spezi" wurde 1956 von der Augsburger Brauerei Riegele eingetragen – ursprünglich allerdings für Bier, nicht für Limonade (Wikipedia EN Spezi, abgerufen am 2026-08-23). Der Name selbst war zuvor eine süddeutsche Anrede für Freunde und Kollegen, abgeleitet vom italienischen „speciale".
Der Durchbruch kam 1965: Riegele brachte mit „KM" (für Kola-Misch) die Cola-Orangen-Limonade heraus, die heute gemeint ist. Seit 1977 produzieren und füllen weitere Lokalbrauereien Spezi in einem Franchise-Modell ab.
Paulaner stieg 1974 ein – über einen Vertrag mit Riegele, den ein deutsches Gericht 2022 erneut für gültig erklärte (Wikipedia EN Spezi). Deshalb gibt es heute zwei große Spezi-Lager: das Original von Riegele und die Paulaner-Variante, die im Handel deutlich weiter verbreitet ist.
Die Konkurrenz: Mezzo Mix & Schwip Schwap
Coca-Cola und PepsiCo haben dieselbe Gattung mit eigenen Namen besetzt:
| Marke | Hersteller | Verhältnis zum Spezi-Namen |
|---|---|---|
| Spezi | Riegele + Lizenznehmer (u. a. Paulaner) | rechtmäßiger Namensgeber |
| Mezzo Mix | Coca-Cola | eigenständige Marke, gleiche Gattung |
| Schwip Schwap | PepsiCo | eigenständige Marke, gleiche Gattung |
„Cola-Mix" ist dabei der neutrale Oberbegriff. „Spezi" zu sagen funktioniert trotzdem überall – ein klassischer Fall eines genericized trademark, also einer Marke, die sprachlich zum Gattungsbegriff geworden ist, rechtlich aber geschützt bleibt (Wikipedia EN Spezi, abgerufen am 2026-08-23).
Was drinsteckt
Am Beispiel Paulaner Spezi lässt sich der Standardaufbau der ganzen Gattung ablesen (Zutatenliste paulaner.de, abgerufen am 2026-08-23):
- Wasser
- Zucker
- Orangensaft aus Orangensaftkonzentrat (2,2 %)
- Zitronensaft aus Zitronensaftkonzentrat (0,8 %)
- Kohlensäure
- Orangenextrakt, natürliches Aroma, Aroma Koffein
- Farbstoff E 150d (Karamelzucker)
- Säuerungsmittel Phosphorsäure und Zitronensäure, Säureregulator Natriumcitrat
- Antioxidationsmittel Ascorbinsäure, Stabilisator Johannisbrotkernmehl
Drei Dinge fallen auf: Erstens ist der Fruchtsaftanteil mit rund 3 % klein – die Orange kommt hauptsächlich als Aroma und Extrakt ins Getränk. Zweitens ist E 150d derselbe Karamelfarbstoff wie in klassischer Cola. Drittens liefert der Koffein-Aromastoff die anregende Note, ohne dass echte Cola im Spiel sein muss.
Steckbrief
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Alkohol | 0 % Vol |
| Koffein | über den Aromastoff, gering; Cola-Dose (330 ml) hat laut BfR 35 mg – Spezi liegt darunter (BfR-FAQ Koffein, abgerufen am 2026-08-23) |
| Zucker | 9,2 g / 100 ml (Paulaner Spezi, Herstellerangabe) (Verbraucherzentrale-Marktcheck bestätigt 8,5–11 g je nach Marke) |
| Typisch serviert | gekühlt aus dem Glas oder der 0,5-l-Flasche |
Zahlen variieren je nach Marke. Verbindliche Werte stehen immer auf dem Produktetikett des jeweiligen Herstellers.
Besonderheiten
Spezi zeigt exemplarisch, wie regionale Trinkkultur funktioniert. Das Getränk ist international praktisch unbekannt – in den USA wird Paulaner Spezi seit 2024 erst unter dem Namen „Paulaner Sunset" verkauft (Wikipedia EN Spezi, abgerufen am 2026-08-23). Im deutschsprachigen Raum dagegen ist der Begriff so verankert, dass Kinder ihn lernen, bevor sie wissen, dass es auch andere Cola-Mixe gibt.
Der Zuckerwert macht Spezi außerdem zu einem Lehrstück der Etikettenkunde: Mit 9,2 g/100 ml liegt es auf Cola-Niveau – wer beim Softdrink-Kauf aufs Zucker- Etikett schaut, findet bei Spezi keine Überraschung, aber auch keine Entlastung.
Häufige Fragen
Ist Spezi dasselbe wie Cola-Mix?
Funktional ja: Beides bezeichnet Cola gemischt mit Orangenlimonade. „Spezi" ist die bekannteste Marke und Namensgeber der Gattungswahrnehmung, „Cola-Mix" der rechtlich neutrale Oberbegriff. Mezzo Mix (Coca-Cola) und Schwip Schwap (PepsiCo) sind eigenständige Marken derselben Kategorie.
Enthält Spezi Koffein?
Ja, über den Aromastoff Koffein in der Rezeptur – aber deutlich weniger als Cola oder Kaffee. Eine Cola-Dose (330 ml) enthält laut BfR 35 mg Koffein; eine gleich große Spezi-Flasche liegt wegen des verdünnten Cola-Anteils darunter.
Wer darf „Spezi" verkaufen?
Riegele als Rechteinhaber und seine Lizenznehmer, allen voran Paulaner (seit dem Vertrag von 1974, gerichtlich bestätigt 2022). Andere Hersteller vermarkten dieselbe Getränkeart unter eigenen Namen wie Mezzo Mix oder Schwip Schwap.
Wie viel Zucker hat Spezi?
Paulaner Spezi: 9,2 g je 100 ml (Herstellerangabe, abgerufen am 2026-08-23). Damit liegt es auf Cola-Niveau. Der Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW fand bei Cola-Mix-Getränken Spannen zwischen etwa 8 und 11 g/100 ml.
Woher kommt der Name?
Von der süddeutschen Anrede „Spezi" für Freund/Kollege, abgeleitet vom italienischen „speciale". Riegele machte daraus 1956 eine eingetragene Marke.
Ist Spezi ein bayerisches Erfindungsmonopol?
Die Marke ja, die Idee nein: Cola-Orangen-Mischgetränke gab es parallel auch von anderen Herstellern. Riegele hatte nur als Erster den Namen geschützt – und der Schutz trägt bis heute.
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